„Wo lang?“ Konferenz: Vom Eigentum zum Eigentun

Commons-Expterin Silke Helfrich beim Impuls. Foto: Wo lang-Konferenz

Die zweite „Wo lang?“-Konferenz an der Alanus Hochschule drehte sich rund um das Thema Gemeingut Boden: Wem gehört der Boden? Wer nutzt und pflegt ihn? Wie ist der Zugang geregelt? In Anbetracht von mangelndem Wohnraum, intransparenten Eigentumsverhältnissen, von Artensterben und Bodenunfruchtbarkeit durch Ackergifte, Wasserprivatisierung und vermehrten Dürreperioden und nicht zuletzt von Lebensmittelpreisen, die nicht mehr den „wahren“ Preis widerspiegeln, ist die Not deutlich sich diesen Fragen zu widmen.

Es war ein buntes Ereignis, strotzend vor kreativem und verantwortungslustigem Potenzial. Ein Team von Studierenden, Mitarbeitenden  und Helfenden der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter hatte eine dreitägige Konferenz auf die Beine gestellt und damit den Boden für 200 Teilnehmende und Referierende bereitet: Zusammenzukommen, sich auszutauschen und zu inspirieren, sich ernsthaft zuzuhören und humorvoll auf die Schippe zu nehmen. Form und Inhalt gingen Hand in Hand – es gab Hülle und Fülle.

Schon beim Betreten des Campus’ war klar: Hier ist was los! Linker Hand ein Bagger, Schaufeln, Eimer und Spielregeln auf einer abgesteckten Wiesenfläche, rechter Hand der Omnibus für Direkte Demokratie, dazwischen ein Europe-Dome und dahinter  das große Foyer mit Podium in Wohnzimmeratmosphäre – zentraler Treffpunkt der großen erlebten Gedanken dieser Tage.

Die Zugänge der Beitragenden waren breit gefächert: philosophisch, juristisch, unternehmerisch, soziologisch, architektonisch, historisch, künstlerisch, landwirtschaftlich, anthroposophisch, direkt-demokratisch, menschlich.

Am Ende des ersten Tages stellte der Philosoph und Biologe Andreas Weber die Frage: Was ist unser Selbstverständnis, wenn wir uns selbst als Erde verstehen? Was bedeutet Erde sein? Humus – Homo – Humanus – Humilis – in allem Lebendigen steckt ein Gegenseitigkeitszusammenhang, und darum braucht es ein „beziehungshaftes Haben“, von dem Silke Helfrich am nächsten Tag in ihrer Einführung in die Commons (Gemeingüter) sprach. Es gibt keine Commons ohne Commoning, also ohne das Tun. Und so bewegte sich die Konferenzagenda im Wunsch nach Verstetigung in Richtung Tun: Innovationswerkstatt und Ideengarten am Sonntag. Ein Open Space, den alle Konferierenden mit persönlichen Anliegen und Ideen füllten.

Und jetzt? Wo lang? Es braucht verantwortliches Handeln und Unterstützung von jedem einzelnen. So findet man zum Beispiel auf der Crowdfunding-Plattform Betterplace.org unter dem Stichwort „Wo lang?-Konferenz – Gemeingut: Boden“ aktuell einen Spendenaufruf, um  den Konferenzideen rund um das Thema Boden eine Starthilfe zu geben.

Die Clownin Dawn Nilo erinnerte während der Tagung immer wieder mittels künstlerischer Interventionen an einen humorvollen Blick auf das eigene Ringen mit der dramatischen Situation unserer Erde. „Es handelt sich darum, alles zu leben. Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich, ohne es zu merken, eines fremden Tages in die Antworten hinein“, hatte das Programmheft Rainer Maria Rilke zitiert. Wer übernimmt den Staffelstab für die dritte Wo lang?-Konferenz – und was wird Thema werden?

Lea Schmidt

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