Neuer Alnatura Firmensitz: Arbeitswelt mit Vorbildcharakter

Der neue Alnatura-Firmensitz von innen. Foto: Andrea Kreisel Info3

In Darmstadt wurde der Alnatura Campus eröffnet. Die Mischung aus Firmensitz, Erlebnisgelände, Waldorfkindergarten und Restaurant ist konsequent ökologisch gestaltet.

Am 30. Januar feierte der Alnatura Campus in Darmstadt seine feierliche Eröffnung. Der neue Unternehmenssitz auf einem ehemaligen, 55.000 Quadratmeter großen Kasernengelände der Kelley Barracks ist Europas größtes Bürogebäude in Lehmbauweise. Das Projekt möchte ein Zeichen im Sinne der UN-Nachhaltigkeitsziele setzen und gleichzeitig den Alnatura Leitgedanken Sinnvoll für Mensch und Erde von der Idee bis zur Umsetzung konsequent durchtragen.

„Wenn man etwas verändern will, braucht es Eigensinn“, so Alnatura-Gründer Götz Rehn bei der Eröffnung. Für diesen bedankte sich der Darmstädter Oberbürgermeister Jochen Partsch mit den Worten: „Hier finden wir alles, wofür es lohnt, sich politisch einzusetzen.“

Der Verwaltungssitz des nun 35 Jahre bestehenden Unternehmens Alnatura ist Anfang des Jahres von Bickenbach nach Darmstadt umgezogen. Vor fünf Jahren begann die Planung, der Bau dauerte zweieinhalb Jahre. Das über 18 Meter hohe Gebäude mit einer Fläche von zwei Fußballfeldern lässt von außen zunächst nicht die angenehme Atmosphäre im Innern vermuten. Eine wenig kontrastreiche, helle Werkstattästhetik soll ermöglichen, dass sich der Raum durch die Menschen gestaltet. Eine Mitarbeiterin, die von ihren ersten Bedenken über ein offenes Büro erzählt, ist nach den ersten zwei Arbeitswochen restlos begeistert: „Man kann einfach mal in die andere Abteilung gehen und laut ist es ohne Wände und Türen trotzdem nicht.“ Viele Fenster und kleine künstlerische Details sorgen für ein freies Ambiente, in dem man sich unkompliziert bewegen kann. Kleine Sitzalkoven bieten Möglichkeiten zum Rückzug. Nicht nur innerhalb des Bürohauses, auch außerhalb soll Leben stattfinden. Ein bereits in Betrieb genommener Waldorfkindergarten ist ein Beispiel für den Campus als Lernort. Zahlreiche Gartenflächen können von Schulen genutzt oder gepachtet werden. Ein Erlebnispfad, Kräuterbeete und Streuobstwiesen laden auch auswärtige BesucherInnen zum Verweilen und Entdecken ein. Der Ort ist nicht Arbeitswelt, sondern ein „Raum vieler Möglichkeiten“, wie Architekt Martin Haas sagt.

Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al Wazir betonte bei der Eröffnung die ökologische Sinnhaftigkeit des neuen Gebäudes in der bedeutungsträchtigen Mahatma-Gandhi-Straße 7. Es sei wohl der erste Neubau, bei dem mehr Boden ent- als versiegelt werde. Eine Besonderheit des Bauwerkes stellt die innovative Lehmstampfwand dar, die unter anderem aus recycelten Materialien von Stuttgart 21 besteht, Schall dämpft und klimaregulierend wirkt. Eingebaute Heizschlangen, durch die Wasser aus der eigenen Zisterne fließt, strahlen im Winter Wärme aus. Ein Erdkanal versorgt den Büroraum permanent mit Frischluft aus dem angrenzenden Wald.

Doch nicht nur der Bau, auch das Essensangebot erfüllt die Vision von mehr Nachhaltigkeit. In der Mittagspause freuen sich die bald 500 Mitarbeitenden auf vegetarisches Essen mit über 90 Prozent Bio-Anteil. Das integrierte Schweizer Restaurant tibits steht auch für externe BesucherInnen offen.

Auf der Eröffnungsfeier, die mit einer kleinen Party und tibits-Buffet ausklang, stachen zwei Eigenschaften des Projektes besonders hervor. Zum einen beglückwünschten sich die Redner gegenseitig zu ihrem Mut für das große Projekt in der kleinen Stadt Darmstadt. Zum anderen zeigten alle Beteiligten, dass sie gerne bereit waren, sich dem Grundgedanken mit allen Konsequenzen anzuschließen, dass Wirtschaft dem Menschen und – wie der Campus zeigt – auch der Natur dienen soll.

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Über den Autor / die Autorin

Andrea Kreisel

Andrea Kreisel

Andrea Kreisel ist Studierende im Bereich Philosophie, Kulturreflexion und kulturelle Praxis an der Universität Witten/Herdecke und ab 2019 redaktionelle Mitarbeiterin bei Info3.