GLS Bank macht sich für Co2-Abgabe stark

Stimme für den Klimaschutz: Vorstandssprecher Thomas Jorberg. Foto: GLS Bank

Auf der Bilanzpressekonferenz der GLS Bank ging es nur am Rande um erfolgreiche Zahlen. Die sozialethische Bank nutzt ihre Stimme zunehmend für gesellschaftspolitische Anliegen und macht sich für Klimaschutz stark.

Früher verlief die Jahres-Bilanz-Pressekonferenz der GLS Bank so wie man es von Banken gewohnt ist: Es ging um Zahlen. Zahlen gab es auch diesmal, als der aus Bochum angereiste vierköpfige Vorstand im Frankfurter Bankenviertel die Ergebnisse des zurückliegenden Geschäftsjahres präsentierte: Wie in den Jahren zuvor zeigen sämtliche Kurven weiter nach oben: Kunden, Kreditvolumen, Einlagen – alles ist auch im zurückliegenden Jahr gewachsen, und zwar durchgehend im zweistelligen Bereich. (Die genauen Zahlen finden Sie hier.)

Um Zahlen ging es aber nur in den ersten Minuten der Präsentation. Denn zunehmend nutzt die erfolgreiche Ethik-Bank mit anthroposophischen Wurzeln ihre Reichweite auch für ein gesellschaftspolitisches Engagement. Die wichtigste Botschaft diesmal: Wirksame Maßnahmen gegen die Erderhitzung müssen her. Konkret spricht sich die GLS für eine Co2-Abgabe aus, die anstelle des bisher nicht effektiven Emissionshandels treten soll. Der Effekt einer solchen Abgabe soll vor allem mit entsprechenden Preissignalen eine klimafreundlichere Energiewirtschaft unterstützten. Bei der Umsetzung dieser Idee arbeitet die GLS eng mit dem Verein Co2-Abgabe e.V. zusammen, der vor zwei Jahren unter anderem aus den Elektrizitätswerken Schönau hervorgegangen ist. (Zur Wirkung der  Co2-Abgabe hier ein Erklärvideo.)

Vorstandssprecher Thomas Jorberg verwies zur Begründung nicht nur auf ökologische, sondern auch auf wirtschaftliche Faktoren: je länger man mit einer Abgabe auf klimaschädliches Co2 warte, umso höher müsse letztendlich ihr Preis ausfallen. „Noch haben wir die Chance, mit 40 Euro pro Tonne Co2 einzusteigen. Dies ist für Unternehmen und Privathaushalte gut verträglich“, so Jorberg. Der steigende Preis der Abgabe wird sich aus der wachsenden Dringlichkeit angesichts des 1,5 Grad-Ziels des Pariser Abkommens und den real eintretenden Schäden ergeben. Für viele Co2-intensive Unternehmen stelle dies zunehmend ein erhebliches wirtschaftliches Risiko dar, ebenso für die Banken als Geschäftspartner solcher Unternehmen.

Auch aktuelle klimapolitische Phänomene wurden bei der Pressekonferenz angerissen. Dass der Aktienkurs des Energiekonzerns RWE nach dem Kohlegipfel im Hinblick auf die hohen Ausgleichszahlungen gestiegen sei, bezeichnete Jorberg als unsinnigen planwirtschaftlichen Effekt. Auch die aktuelle Auto-Debatte wurde aufs Korn genommen: „Einerseits sprechen wir bei der Zukunft des Autos vom autonomen Fahren, andererseits soll es kein Tempo-Limit geben – das kriege ich nicht zusammen“, so Jorberg.

Im Blick auf Umweltschäden durch industrielle Landwirtschaft spricht sich die GLS außerdem für eine Abgabe auf Spritz- und Düngemittel aus. „Wenn Politik und Landwirtschaft das Pestizid- und Nitratproblem nicht in den Griff bekommen, wird sich der Preis für Trinkwasser um bis zu 60 Prozent erhöhen“, erklärt die GLS.

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Über den Autor / die Autorin

Jens Heisterkamp

Jens Heisterkamp

Dr. Jens Heisterkamp, geboren 1958 in Duisburg, studierte Geschichte, Literaturwissenschaft und Philosophie, Promotion zum Dr. phil. an der Universität Bochum.Tätigkeit in der anthroposophischen Heilpädagogik, in der Erwachsenenbildung und als Historiker. Seit 1995 verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift Info3, Verleger im Info3 Verlag, Buchautor.