Unverpackt: Ein Laden für Bildung statt Konsum

Grammgenau in Aktion: das Gründerinnen-Team. Foto: Kathi Krechting k.fotografie&artdesign

Als Antwort auf den zunehmenden Plastikmüll gibt es immer mehr Läden, wo Unverpacktes eingekauft werden kann. Jeder Laden ist auf eigene Art konzipiert – info3 hat sich gramm.genau in Frankfurt einmal näher angeschaut.

Es muss doch auch mit weniger Müll gehen, haben sich eine BWLerin, eine Kunstpädagogin und eine PR-Beraterin gedacht. Vor zwei Jahren setzten sie unverpacktes Einkaufen probeweise in einem Shop um und gründeten dann einen plastikfreien Laden mit Zero-Waste-Café und Shop in Frankfurt-Bockenheim. Sein Name: gramm.genau. Damit hat nun auch die Metropole am Main ihren ersten Unverpackt-Laden.

„Von außen sieht es aus wie ein Café und so ist es auch gewollt“, sagt die ehemalige PR-Frau Jenny Fuhrmann. „Für viele Menschen ist es noch unvorstellbar, Müll zu vermeiden, deswegen möchten wir einen niedrigschwelligen Einstieg bieten. Das erreichen wir mit unserem Café: Wenn die Leute reinkommen, Kaffee trinken und sich umsehen, dann entdecken sie hier schon viel.“

Eine helle Ladentheke aus Holz trennt den vorderen Teil mit Café und einer kleinen Auswahl an Haushalts- und Kosmetikprodukten vom hinteren Teil ab, in dem trockene Lebensmittel in Tonnen gelagert werden. In mitgebrachte oder geliehene Gläser können hier die Produkte für die KundInnen abgefüllt werden. Mit der Ware haben sich die drei Gründerinnen intensiv beschäftigt, erzählt Fuhrmann. „Unsere Seifen kommen von einer Biomanufaktur bei Heilbronn, die Lebensmittel von einem Bio-Fairtrade-Großhändler in Erlangen, wo die Müslis von Menschen mit Assistenzbedarf gemischt werden und wo sie ein Mehrwegsystem nutzen, auch die Paletten sind mit Mehrwegschutzfolien eingewickelt.“ Für eine nachhaltige Warenkette muss viel bedacht werden, von der Herstellung über die Spedition bis zum Großhandel. „Wir bieten auch viele regionale Produkte an, zum Beispiel Dinkelreis aus Hessen. Kuchen gibt es von einer Biokonditorei und die Lieferung kommt immer per Lastenrad. Auch dafür haben wir uns einen Mehrwegkreislauf ausgedacht, der gut funktioniert.“

Überraschend an dem Ansatz: Anders als konventionelle Geschäfte möchten die kreativen Gestalterinnen ihren Gästen nicht primär etwas verkaufen. Es geht ihnen vielmehr darum, dass Menschen ihre Alltagsdinge wie Deo oder Brot besser selbst machen. Ein erster Zero-Waste-Starter Workshop bewies bereits, dass es sinnvoll ist, damit gemeinsam zu beginnen, denn beim Werkeln wird viel über Müllreduktion gesprochen und direkt umgesetzt.

Verkauf, Café, Bildungsangebote, Unternehmenscatering mit plastikfreien Snackboxen, Lieferungen per Lastenrad (allerdings nicht für info3, das liegt leider zu weit entfernt), sind nur die ersten Ideen des Teams. Das durch Crowdfunding startfinanzierte Projekt erlangt derzeit viel Aufmerksamkeit und es wird vermutlich noch viel zu entdecken geben, so Jenny Fuhrmann. „Für die Zukunft wünsche ich mir, dass es ein Treffpunkt mit vielen Veranstaltungen zum Lernen wird. Und vor allem wäre es schön, wenn bald mehr Leute und Geschäfte mitziehen und uns nachmachen. Wir selbst haben noch so viele Ideen und kommen momentan leider gar nicht dazu, sie umzusetzen.“

Ein Text aus der Ausgabe April 2019 der Zeitschrift info3 zum Titelthema „Die Erde fiebert“ – Wege aus der Klimakrise. Einzelheft hier bestellen.

Über den Autor / die Autorin

Andrea Kreisel

Andrea Kreisel

Andrea Kreisel ist Studierende im Bereich Philosophie, Kulturreflexion und kulturelle Praxis an der Universität Witten/Herdecke und seit 2019 redaktionelle Mitarbeiterin bei Info3.